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03
Aug

Reber Apo ist ein Permakulturalist – Permakultur und die politische Transformation in Nordostsyrien

Wenn Reber Apo, der inhaftierte Repräsentant der kurdischen Freiheitsbewegung, ein Gärtner wäre, bin ich mir sicher, dass sein Garten farbenfroh und wild wäre. Er würde über die Grenzen reichen und aus einer prächtigen Mischung aus Gemüse, Bäume, Blumen und Weinreben bestehen. Wenn ich mir seine Aufzeichnungen über die politische Transformation anschaue, bin ich mir sicher, er wäre ein Anhänger der Permakultur und würde Gärten kreieren, die auf der Weisheit der Natur aufbauen. Permakultur ist ein Gestaltungssystem, welches entwickelt wurde, um ökologische Bereiche nachhaltig und produktiv zu organisieren. Aber diese Vorgehensweise lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen, in denen Gestaltung eine Rolle spielt, zum Beispiel Architektur, Stadtplanung, Organisationsstrukturen oder sogar politische Systeme. Permakultur leitet sich aus den beiden Wörtern „permanent“ und „Kultur“ ab, sie bilden das Fundament, das Streben nach einer Kultur der Permanenz, der Beständigkeit. In diesem Fall steht Permanenz aber nicht für Statik – wie die Natur muss das System wachsen und sich entwickeln und auf die inneren und äußeren Veränderungen reagieren. Die Permanenz besteht in darin, dass dieses System nicht auf eine Selbstzerstörung ausgerichtet ist, wie dies bei vielen Konzepten in der Landwirtschaft aktuell der Fall ist.

Die Permakultur verfolgt einen wertezentrierten Ansatz, daher steht eine Ethik der „Versorgung der Erde, der Menschen und eine faire Verteilung“ im Mittelpunkt. An dieser Stelle bestimmen produktive und nachhaltige Ergebnisse die jeweilige Form. Permakultur ist ein ganzheitliches System für das es wesentlich ist, dass wir nicht nur die Bestandteile eines Entwurfs betrachten, sondern auch die Beziehungen zwischen ihnen und wie sie zusammen ein Ganzes ergeben. Ein Permakulturgarten richtet sich nach der Art und Weise, in der sich ökologische Systeme in der Natur erhalten. Der Spruch “think like a forest, act like a meadow” („Denken wie ein Wald, Handeln wie eine Wiese“) gibt einen poetischen Einblick in den Permakulturansatz. Wälder und Wiesen sind Ökosysteme, die eine erstaunliche Vielfalt des Lebens in einem geschlossenen und widerstandsfähigen System aufrechterhalten. Sie benötigen keinen externen Dünger, chemische Pestizide oder künstliche Bewässerungssysteme. Es gibt eine beeindruckende Anzahl von Pflanzen- und Tierarten sowie unzählige Pilze, Bakterien und Mikroorganismen im Boden, die ebenfalls für die Gesundheit des Systems von entscheidender Bedeutung sind. Ein Permakulturgarten würde versuchen, diese Muster und Beziehungen zu replizieren. Anstatt Pflanzen in isolierten Reihen zu züchten, gruppiert ein Permakulturgarten Pflanzen, damit sie gemeinsam arbeiten können. Ein klassisches Beispiel dafür – aus dem Wissen der Ureinwohner abgeleitet – ist die Ackerbaumethode „drei Schwestern“. Mais, Kletterbohnen und Kürbis werden zusammen angebaut, damit der Kürbis den Boden bedeckt, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Die Kletterbohne gibt Nährstoffe in den Boden, den die anderen Pflanzen benötigen, und der Mais bietet eine Kletterstruktur für die Bohnen. Auf diese Weise gepflanzt, erhält dieses Gemüsebeet die Bodenqualität, verringert den Wasserbedarf und verbessert die Ernte, sodass es man hier von einer Nachhaltigkeit und Effizienz sprechen kann. Dies ist einer von vielen Ansätzen, die die Permakultur durch ihre zwölf Prinzipien nutzt, die Konzepte wie „keine Verschwendung produzieren“, „Vielfalt nutzen und wertschätzen“, „kreative Antwort auf Veränderungen“ und „Gestaltung vom Schema bis zum Detail“ umfassen.

Auf dem Weg vom Garten zu revolutionären Ansätzen in der politischen Organisation können wir viele nützliche Parallelen erkennen, die uns zeigen, wie wir Bewegungen, Organisationen und Gemeinschaften aufbauen können, die produktiv, nachhaltig und ganzheitlich sind. Bevor wir uns jedoch mit der Vereinbarkeit von Permakultur und politischer Transformation befassen, wollen wir uns ansehen, warum es überhaupt Sinn macht, dies zu tun.

Ein Grund wurde bereits erwähnt: Die Permakultur verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz bei der Entwicklung von Strategien und Lösungen, und ein kohärenter Rahmen ist entscheidend für eine wirksame politische Strategie. Dies ist eine Stärke der kurdischen Befreiungsideologie, wie sie von Reber Apo und in jüngerer Zeit vom Neuen Paradigma geprägt wurde. Sie verfolgt bereits einen ganzheitlichen ideologischen Ansatz und erkennt die Verbindung zwischen Patriarchat, Kapitalismus, Staat und ökologischer Zerstörung an. Im Westen kämpfen wir zu oft zu verschiedenen Themen, ohne eine kohärente Ideologie zu entwickeln oder die strukturellen Ursachen, gegen die wir kämpfen effektiv hervorzuheben und in Frage zu stellen.

Die Permakultur ist auch ein nützliches Instrument, um eine neue Art der Politikgestaltung zu entwickeln. Eine Politik, die weniger von den dominierenden Beziehungen zwischen den Mächten geprägt ist, wie es seit der Staatenbildung der Fall ist. Patriarchat und Kapitalismus führen zu Beziehungen zwischen Menschen und zur Natur, die von einer Dominanz und Macht geprägt sind. Die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, ist untrennbar mit unserer Beziehung zur Natur verbunden. Wir haben die Möglichkeit, die Natur nach einem anderen Ansatz zu betrachten. Eine neue Art, Politik zu machen, bedeutet, Politik auf eine weibliche und ökologische Art zu machen, und die Permakultur kann Aufschluss darüber geben, wie eine ökologische Art der Politik aussehen könnte.

Der politische Wandel, der durch die Rojava-Revolution in Nordost-Syrien stattgefunden hat, verdeutlicht den Wandel in der Mentalität der Menschen. Es ist besonders spannend, die Bewegung aus dem Blickfeld der Permakultur zu analysieren. Ein Prinzip der Permakultur, das interessante Analysen hervorruft, ist die „kreative Antwort auf Veränderungen“, welcher auch als „das Problem ist die Lösung“ formuliert wird. Dieses Prinzip zielt darauf ab, zu kommunizieren, dass manchmal, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollten, die Lösung im Problem liegt. Das berühmteste Beispiel ist, wenn ein Garten von zu vielen Schnecken heimgesucht wird, werden häufig chemische Pestizide verwendet oder Stunden damit verbracht, Schnecken aus Salatblättern zu pflücken. Alternativ könnten man aber auch Enten in den Garten einführen, welche fröhlich die Schnecken wegfressen und gleichzeitig köstliche Eier und gesunden Dünger für den Garten produzieren. Politisch kann eine „kreative Antwort auf Veränderungen“ alles Mögliche bedeuten, von der Umnutzung viraler rechtsgerichteter Slogans und Marken mit unserer eigenen Botschaft ( etwa „Make Rojava Green Again“) bis hin zur Nutzung des Chaos und Zusammenbruchs der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse Wirtschaftssysteme als Möglichkeit, Widerstand zu organisieren und aufzubauen. Es geht auch darum, Dinge auf unkonventionelle Weise sehen zu können. Ein interessantes Beispiel hierfür ist das neue Paradigma der kurdischen Befreiungsbewegung. Die Antwort auf das „Kurdenproblem“ galt lange Zeit als kurdischer Staat. Aber durch das neue Paradigma wird das Problem selbst zur Lösung – Staatenlosigkeit ist die Antwort auf die Frage, wie ein wirklich befreites politisches System aufgebaut werden kann.

Permaculture also teaches us to “use and value the margins and edges” and “use and value diversity.” In the garden, this means using polyculture growing techniques, like the ‘three sisters’ planting pattern described above. It acknowledges that monoculture- just having one kind of plant – does not exist in nature, or is a symptom of a system out of balance. Furthermore, we can observe that the spaces between systems – the ‘margins and edges’ – are areas of high diversity and productivity. This includes spaces like tidal pools or riverbanks, where unique forms of life develop and flourish. These principles are relevant to political organising in lots of ways which are encompassed by democratic confederalism. Democratic modernity embraces diversity and plurality, rejecting the hegemonic and fascist tendencies of capitalist modernity and the state system. In politics, we embrace the edges through organising as and alongside marginalised communities. The Kurdish liberation movement also teaches us to not focus all of our energy on the centre of power – the state and corporations – but to also build power around the edges, in society and in the places where the state does not have a monopoly on power. This way you’re able to grow revolution on fertile ground, with many voices feeding into the process and embracing the diversity that will give a revolutionary system sustainability.

Die Permakultur lehrt uns auch, „die Ränder, Kanten und die Vielfalt zu nutzen und zu schätzen“. Im Garten bedeutet dies, dass wir Techniken der Polykultur anwenden, wie oben beschriebene Ackermethode der „drei Schwestern“. Es wird anerkannt, dass die Monokultur – nur eine Art von Pflanze – in der Natur nicht existiert oder ein Symptom für ein aus dem Gleichgewicht geratenes System ist. Darüber hinaus können wir beobachten, dass die Zwischenräume zwischen den Systemen – die „Ränder und Kanten“ – Bereiche hoher Vielfalt und Produktivität sind. Dies schließt Räume wie Gezeitenbecken oder Flussufer ein, in denen sich einzigartige Lebensformen entwickeln und gedeihen. Diese Grundsätze sind für die politische Organisation in vielerlei Hinsicht relevant, die vom demokratischen Konföderalismus umfasst werden. Die demokratische Moderne umfasst Vielfalt und Pluralität und lehnt die hegemonialen und faschistischen Tendenzen der kapitalistischen Moderne und des staatlichen Systems ab. In der Politik begegnen wir den Grenzen, indem wir uns mit marginalisierten Gemeinschaften organisieren. Die kurdische Befreiungsbewegung lehrt uns auch, unsere gesamte Energie nicht auf das Machtzentrum – den Staat und die Unternehmen – zu konzentrieren, sondern auch an den Rändern der Gesellschaft und an Orten, an denen der Staat kein Machtmonopol hat, Macht aufzubauen . Auf diese Weise kann man die Revolution auf fruchtbarem Boden vorantreiben, indem viele Stimmen in den Prozess einfließen und die Vielfalt annehmen, die ein revolutionäres System nachhaltig macht.

Indem wir die Grenze zwischen politischem und ökologischem Bereich auflösen, können wir unsere Fähigkeit stärken, Bewegungen aufzubauen, die belastbar, dynamisch und effektiv sind. Der demokratische Konföderalismus und die kurdische Befreiungsbewegung haben eine natürliche Affinität zum ökologischen Denken, daher ist es nicht verwunderlich, dass das neue Paradigma die ökologische Nachhaltigkeit für einen der drei Grundpfeiler eines revolutionären Ansatzes steht. Da die ökologischen Werte, die im Mittelpunkt der Revolution stehen, auf die Realität in Nordost-Syrien angewendet werden, kann Permakultur ein nützliches Instrument sein, um den Umweltansatz zu bestimmen. Umgekehrt haben westliche politische Bewegungen Mühe, Nachhaltigkeit sinnvoll in breitere politische Bewegungen zu integrieren, und ökologische Kampagnen verfolgen oft einen hochtechnischen und staatszentrierten Ansatz. Durch die Einbeziehung eines Permakulturansatzes in unsere politische Organisation können wir eine ganzheitlichere und kohärentere Politik entwickeln. Wir können eine Revolution fördern, die auf Gegenseitigkeit und Vielfalt beruht, die es uns ermöglicht, frei miteinander und mit der Natur zu leben.

Weitere Informationen zur Permakultur:

http://www.labofii.net/docs/13attitudes.pdf

https://permacultureprinciples.com/

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